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Queen of the Neighbourhood Collective: Revolutionäre Frauen. Biografien und Stencils, edition assemblage


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Wer sind Harriet Tubman, Louise Michel, Sylvia Rivera? Und wer sind die anderen 27 Frauen, die das Queen of the Neighbourhood Collective aus Aotearoa/Neuseeland biografiert und als Schablonen in einem Buch versammelt hat? Sie sind (oder waren) Aktivistinnen, Anarchistinnen, Freiheitskämpferinnen und Feministinnen - oder, so der Titel des Buches: Revolutionäre Frauen. Neben den "großen Männern der Geschichte" fehlen die revolutionären Ikonen der Frauen, stellten die Macher_innen fest und beschlossen, dass zumindest diese 30 nicht mehr länger auf die Art von Auszeichnung warten sollen müssen. Aus diesem Grund werden sie direkt im Stil des berühmten Che Guevara Porträts präsentiert, wie es seit Jahrzehnten erhaben von T-Shirts, Flaggen, Aufklebern aus eine revolutionäre Vision anvisiert: Als auf die Konturen reduzierte Schablonen, die direkt als Sprühvorlagen verwendet werden, wenn es nach den Autor_innen geht. 
Denn etwa so hat es auch angefangen. Revolutionäre Frauen war ein feministisches Street Art Projekt, dass eine Lücke in der Geschichtsschreibung und in der öffentlichen Wahrnehmung füllen wollte. Dann wurde aus der Porträt-Stencil-Galerie ein Buch. Der kleine Band macht sich und seinen Leser_innen nichts vor: Das meiste, was es über die Frauen, die stellvertretend für viele andere stehen, zu sagen gäbe, müsste noch geschrieben - und auch noch gelesen - werden. Die Link- und Lesetips, die zu jeder der Porträtierten nachzuschlagen sind, lässt Revolutionäre Frauen nur kurz als eine Sammlung von Lexikoneinträgen mit einfacher Bebilderung erscheinen. Recht schnell wird das Buch zu einem liebevollen Aufruf - zum Sich-auf-die-Suche-machen nach den Geschichten, die noch nicht oder nur sehr selten erzählt wurden. Weil genau das auch Spaß machen kann, steht darüber nicht in schweren Blockbuchstaben geschrieben: "kollektiver feministischer Bewusstwerdungsprozess". 
Stattdessen kann sich jede_r selbst die individuelle Farbmischung wählen und je nach Bedarf mit Anerkennung, Sichtbarkeit, Selbstbewusstsein, Utopien oder Visionen anrühren. Und dann ab und ordentlich an den Festen der männlichen Geschichtsschreibung gerüttelt! So ist zumindest gegenüber dem immergleichen Che erstmal gehörig für Abwechslung gesorgt. Ob der Ikonisierungs-Prozess aber auch andersherum - vom Bild zum Teil der Geschichte - funktioniert, wird sich zeigen.

Queen of the Neighbourhood Collective: Revolutionäre Frauen. Biografien und Stencils, edition assemblage, 128 Seiten, 30 Abb., 12,80 Euro

(Claudia Krieg)