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Werning, Heiko: Im wilden Wedding. Zwischen Ghetto und Gentrifizierung, Edition Tiamat


Heiko Wernings „Im wilden Wedding – Zwischen Ghetto und Gentrifizierung“ liest sich so weg: witzige Geschichten über das Leben zwischen unzähligen Casinos, Spätis und Kneipen mit Namen wie „Goldener Dreieck“, über lebendige Hauswände und eine angesichts dessen vollkommen leblose Hausverwaltung, über interkulturelle Verständigung im Christencafé und harmlose heimische Schlangen, die man wirklich kennen sollte. Leuten, denen Berlin und speziell der Wedding nicht aus eigener Anschauung bekannt ist, kann das Buch gut und gerne als Einführung, quasi Reisführer und -lektüre geschenkt werden; alle anderen werden darin freudig über am eigenen Leibe erlebte Klischees und deren Widerlegung stolpern. „Im wilden Wedding“ ist Wernings viertes Buch, und wahrscheinlich lässt sich von all seinen Stories sagen: sie sind ziemlich witzig, aber so richtig sauwitzig, zum Kreischen und Kichern, wird es erst, wenn der Autor sie vorträgt. Dazu sind sie, da Werning regelmäßig auf Lesebühnen (Reformbühne Heim & Welt, Brauseboys, beides Berlin) auftritt, vermutlich auch geschrieben. Es empfiehlt sich also, nicht nur das Buch zu erwerben, sondern ihn vorher mindestens einmal selbst vorlesen gehört zu haben: beim erneuten Durchlesen der Geschichten hat man dann sein „Mann, Mann, Mann!“ und den lakonischen Lesebühnen-Singsang noch im Ohr, und schon steigt aus den Tiefen des Bauches das Kichern hervor. (Der Reim war unbeabsichtigt, aber ich lass den jetzt mal stehen.)

Werning, Heiko: Im wilden Wedding. Zwischen Ghetto und Gentrifizierung, Edition Tiamat, 192 Seiten, 14.- Euro

(Anna Kow)