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Shereen El Feki: Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt, Hanser

Dieses Buch wagt sich an ein Tabu: Fünf Jahre lang hat Shereen El Feki Frauen und Männer in den arabischen Ländern, vor allem in Ägypten, befragt, was sie über Sex denken und welche Rolle er in ihrem Leben spielt. El Feki schildert bewegende Schicksale, erläutert historische Hintergründe und liefert aufschlussreiche Daten. Anhand der verschiedenen Aspekte von Sexualität eröffnet sie völlig neue Einblicke in das Innenleben der sich wandelnden arabischen Welt. Sie betont, dass den Islam eigentlich eine positive Haltung zur Sexualität auszeichnet, vertritt aber zugleich die provokante These, dass ohne einen freieren, offeneren Umgang damit die politisch-soziale Entwicklung in den arabischen Gesellschaften weiterhin stagnieren wird.

»...liefert keine Analyse, ist aber eine Fundgrube für alle, die sich Zusammenhänge selber erklären können.« (konkret-literatur 38/2013)

»Zusammenfassend spricht die Forscherin von einer enormen "Heuchelei", die das Sexleben in der arabischen Region dominiere und belaste. Man sagt das eine und tut das andere, die Angst vor Entdeckung regiert. Was fehlt, sind individuelle Rechte, insbesondere für Frauen, vor allem aber Offenheit, um die Probleme zu benennen und mit der unwürdigen Heuchelei aufzuräumen.« (Deutschlandfunk)

Anke Stelling: Bodentiefe Fenster, Verbrecher Verlag

Von den 68er-Müttern im Aufbruch hat eine Töchtergeneration den Auftrag erhalten, die Welt zu verbessern – das Waldsterben und die Aufrüstung zu stoppen, ein Zimmer für sich allein zu haben, gemeinsam stark zu sein –, und diesen Auftrag kann Sandra nicht vergessen.
Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus ihr eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Sie sieht, dass die Ideale der Elterngeneration im Alltag verloren gehen, auf dem Spielplatz versanden, im Plenum der Hausgemeinschaft ad absurdum geführt werden. Alles auszusprechen, ist offenbar keine Lösung, weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privilegien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Und die bodentiefen Fenster machen den Alltag allzu durchsichtig.
In schöner Sprache und mit viel Ironie erzählt Anke Stelling von den Hoffnungen, Kämpfen und Widersprüchlichkeiten des Mutterdaseins.

Razel Reid: Movie Star, Albino Velag

Für Jude ist die Schule ein großes Filmset: Da gibt es Crewmitglieder, Statisten und Hauptdarsteller – und jeder fügt sich in seine Rolle. Nur Jude ist im Drehbuch nicht vorgesehen. Als schrille Diva in High Heels und Glamour-Make-up zieht er die Blitzlichter der Paparazzi magisch an und mischt den Schulalltag gewaltig auf. Und als er das Undenkbare wagt und um das Herz seines Angebeteten kämpft, überschlagen sich die Ereignisse. Aber was wäre ein Blockbuster ohne dramatischen Höhepunkt? Eine ebenso rasante wie berührende Geschichte über das Anderssein — schonungslos erzählt und voller bissigem Humor.

»Seine Fähigkeit, noch über die düstersten Szenen ein wenig Glitzer zu streuen, ist so verstörend wie faszinierend. Und Reid zieht diesen Eskapismus, über dessen Auswüchse man manchmal lachen, manchmal schlucken muss, mit bewundernswerter Konsequenz durch. Selbst den dunkelsten Momenten ringt der Erzähler eine Poesie von betörender Schönheit ab. [...] Auch das ist ein Stück Realität. Und Reids großes Verdienst, Jude nicht als Heiligen zu verklären, sondern einen mal liebenswerten, mal narzisstischen, mal anlehnungsbedürftigen, mal anmaßenden Helden zu erschaffen, der letztendlich Opfer seines homophoben Umfelds wird.« (Fixpoetry)

Mercè Rodoreda: Auf der Plaça del Diamant, suhrkamp

Mit ungewöhnlicher Eindringlichkeit schildert der Roman die Lebensgeschichte von Colometa, einer in Traditionen verhafteten jungen Frau, die im Spanischen Bürgerkrieg ihren Mann verliert und gezwungen ist, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Dieser faszinierende Roman machte die katalanische Autorin Mercè Rodoreda weltberühmt. Er wurde in über 20 Sprachen übersetzt und ist heute der Klassiker der katalanischen Literatur.
Mercè Rodoreda (1908–1983) lebte während der Franco-Zeit im französischen Exil und begann erst nach ihrer Rückkehr wieder mit großem Erfolg zu schreiben und zu veröffentlichen.

»Der Krieg zerstört das Idyll eines unaufgeklärten Lebensentwurfs, in dem die Dinge als Gegeben erscheinen und der Lebenslauf als gottgewollte Unabdingbarkeit hingenommen wird. Das ist die andere Botschaft dieses Romans. Er schildert ein aufgeklärtes Erwachen. Denn das Ende des Idylls ist zugleich der Beginn aufgeklärter Autonomie. Colometa ahnt, was das bedeutet: Von nun an wird sie immer für ihr Leben verantwortlich sein. Sie wird entscheiden müssen, ob sie zulässt, dass und wie andere ihr Leben beeinflussen. Diese Erkenntnis bedeutet letztlich Freiheit.« (literaturkritik.de)

Jaime Hernandez: Liebe und Versagen, Reprodukt

Bereits seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet Jaime Hernandez das Leben seiner Protagonistin Maggie Chascarillo. Ähnlich Harry Angstrom in John Updikes “Rabbit”-Romanen wuchs Maggie gemeinsam mit ihren Lesern heran. Heute ist sie Mitte Vierzig und alle Pfade, die sie betreten hat, sämtliche Entscheidungen, die sie traf, kulminieren in “Liebe und Versagen”.
Wie ein Kaleidoskop führt das Buch Schicksalsschläge, Familiengeheimnisse und Wendepunkte in Maggies Leben zusammen und erzählt eine berührende Geschichte über Erinnerungen und ihre Last auf unserer Gegenwart. Jamie Hernandez gelingt mit “Liebe und Versagen” ein Kunstwerk – kraftvoll und echt –, das uns eindrücklich vor Augen führt, dass wir Ängste und Traurigkeit akzeptieren müssen, uns von ihnen aber nicht versehren lassen dürfen.

Jaime, Gilbert und Mario Hernandez, drei Brüder mexikanisch-amerikanischer Abstammung, haben mit “Love & Rockets” das wohl spannendste und facettenreichste Comic-Universum der letzten dreißig Jahre geschaffen. Ihre Geschichten erzählen vom bewegten Leben südkalifornischer Jugendlicher, von Auseinandersetzungen und Liebesleben sowohl in den Vororten von Los Angeles als auch im fiktiven lateinamerikanischen Dorf Palomar.

Wir empfehlen die komplette Reihe in Englisch, erschienen bei Fantagraphics.

Dietmar Dath: Venus siegt, Hablizel

Auf dem Planeten Venus findet in einigen hundert Jahren ein gewaltiges soziales Experiment statt. Man will herausfinden: Gibt es eine Form der Zusammenarbeit, in der Menschen, Roboter und räumlich ungebundene künstliche Netzintelligenzen gleichberechtigt leben können? Eine Revolution hat diese Nachbarwelt der Erde von der kolonialen, wirtschaftlichen und politischen irdischen Herrschaft befreit. Gegen äußere und innere Feindschaft muss sich das neue Regime, das verspricht, alle Formen des Denkens und Arbeitens von Ausbeutung und Abhängigkeit zu befreien, mit harten Maßnahmen behaupten. Die Politikerin und Programmiererin Leona Christensen errichtet eine Diktatur. „Venus siegt“ erzählt ihre Geschichte aus der Perspektive eines Elitenkindes der neuen Ordnung: Nikolas Helander ist der Sohn des Kulturlenkers und ersten Gehilfen der Diktatorin. Sein Leben, seine Liebe und sein politischer Weg zwischen Loyalität, Opposition und Krieg sind die drei Stränge einer großen Erzählung von Befreiung und Terror, Zwang und Emanzipation unter den Bedingungen höchstentwickelter Technik.

»Dath bringt die deutschsprachige Science-Fiction voran. [...] Lupenreine Fantastik.« (literaturkritik.de)

Mercè Rodoreda: Auf der Plaça del Diamant, suhrkamp

Mit ungewöhnlicher Eindringlichkeit schildert der Roman die Lebensgeschichte von Colometa, einer in Traditionen verhafteten jungen Frau, die im Spanischen Bürgerkrieg ihren Mann verliert und gezwungen ist, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Dieser faszinierende Roman machte die katalanische Autorin Mercè Rodoreda weltberühmt. Er wurde in über 20 Sprachen übersetzt und ist heute der Klassiker der katalanischen Literatur.
Mercè Rodoreda (1908–1983) lebte während der Franco-Zeit im französischen Exil und begann erst nach ihrer Rückkehr wieder mit großem Erfolg zu schreiben und zu veröffentlichen.

»Der Krieg zerstört das Idyll eines unaufgeklärten Lebensentwurfs, in dem die Dinge als Gegeben erscheinen und der Lebenslauf als gottgewollte Unabdingbarkeit hingenommen wird. Das ist die andere Botschaft dieses Romans. Er schildert ein aufgeklärtes Erwachen. Denn das Ende des Idylls ist zugleich der Beginn aufgeklärter Autonomie. Colometa ahnt, was das bedeutet: Von nun an wird sie immer für ihr Leben verantwortlich sein. Sie wird entscheiden müssen, ob sie zulässt, dass und wie andere ihr Leben beeinflussen. Diese Erkenntnis bedeutet letztlich Freiheit.« (literaturkritik.de)