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Behrens/Engelmann/Peglow/Vogel (Hg.): testcard #22 Fleisch, Ventil Verlag

In der Politik, im Feuilleton, in der Philosophie – überall wird die Frage nach Fleischkonsum und Fleischverzicht heiß debattiert. »testcard« #22 mischt sich kritisch in die aktuelle Debatte ein und zeichnet nach, inwiefern das Fleisch in der Popkultur schon lange Thema ist – als Überzeugungskampf wie auch als Ausdrucksmittel.
Als Lady Gaga bei den MTV Music Awards 2010 Fleisch trägt, wird die Popbühne zum Ort der Auseinander­setzung mittels und um das Fleisch. Das Kleid hängt mittlerweile konserviert im Museum, während die Frage »Fleisch oder nicht Fleisch?« weiterhin entzweit.
»Ich liebe Würste, aber ich esse sie nicht«, sagt Jonathan Safran Foer und übt Verzicht für einen schöneren Körper und eine gesündere Zukunft. Paul McCartney hat schon in den 1960ern auf Gemüse gesetzt und die »Smile«-Ses­sions der Beach Boys mit einem Sellerie-Solo bereichert, die Smiths haben es in den 1980ern ­gesungen: »Meat is Murder«. Wer hätte damals gedacht, dass sich diese Position mal ihren Weg in die Mehrheitsgesellschaft ­bahnen würde.

»testcard« #22 analysiert, was das für die Musik, den Underground und die Kultur bedeutet. Welche Vorstellungen, Diskurse und Praktiken sind an das Fleisch geknüpft und weshalb ist das Thema gerade jetzt so wirkmächtig?

Behrens/Engelmann/Peglow/Vogel (Hg.): testcard #22 Fleisch, Ventil Verlag

In der Politik, im Feuilleton, in der Philosophie – überall wird die Frage nach Fleischkonsum und Fleischverzicht heiß debattiert. »testcard« #22 mischt sich kritisch in die aktuelle Debatte ein und zeichnet nach, inwiefern das Fleisch in der Popkultur schon lange Thema ist – als Überzeugungskampf wie auch als Ausdrucksmittel.
Als Lady Gaga bei den MTV Music Awards 2010 Fleisch trägt, wird die Popbühne zum Ort der Auseinander­setzung mittels und um das Fleisch. Das Kleid hängt mittlerweile konserviert im Museum, während die Frage »Fleisch oder nicht Fleisch?« weiterhin entzweit.
»Ich liebe Würste, aber ich esse sie nicht«, sagt Jonathan Safran Foer und übt Verzicht für einen schöneren Körper und eine gesündere Zukunft. Paul McCartney hat schon in den 1960ern auf Gemüse gesetzt und die »Smile«-Ses­sions der Beach Boys mit einem Sellerie-Solo bereichert, die Smiths haben es in den 1980ern ­gesungen: »Meat is Murder«. Wer hätte damals gedacht, dass sich diese Position mal ihren Weg in die Mehrheitsgesellschaft ­bahnen würde.

»testcard« #22 analysiert, was das für die Musik, den Underground und die Kultur bedeutet. Welche Vorstellungen, Diskurse und Praktiken sind an das Fleisch geknüpft und weshalb ist das Thema gerade jetzt so wirkmächtig?

John Jeremiah Sullivan: Pulphead - Vom Ende Amerikas, suhrkamp

Kann man ganz Amerika in ein Buch packen? Geschichte und Gegenwart? Popkultur und Frömmigkeit? Glänzende Oberfläche und enttäuschte Versprechen? Mit Pulphead hat John Jeremiah Sullivan bewiesen, dass das möglich ist. In der Tradition von Meistern wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson verwischt er die Grenze zwischen Literatur und Journalismus, Erzählung und Reportage, Hochliteratur und Unterhaltung, Hemingway und Hollywood. Wie in einem Panoptikum entsteht aus Artikeln über Axl Rose, christliche Rockfestivals, Reality TV, die Tea-Party-Bewegung, vergessene Naturforscher und den heruntergekommenen Süden das Panorama eines Landes, das der Rest der Welt immer weniger versteht.

»Sullivan beherrscht die Kunst des suggestiven Schreibens perfekt, denn egal über welche Geschichte oder über welche Menschen er schreibt, er versteht es, einen sofort hineinzuziehen. [...] Man zieht keinen großen Erkenntnisgewinn aus den Reportagen, aber man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Sie stehen für sich, ganz singulär, sie bereiten einem großen Genuss, und das tun sie, weil sich Sullivan nie über seinen Gegenstand erhebt und von oben herab doziert und trotzdem durchaus polemisch und gemein sein kann.« (taz)

John Jeremiah Sullivan: Pulphead - Vom Ende Amerikas, suhrkamp

Kann man ganz Amerika in ein Buch packen? Geschichte und Gegenwart? Popkultur und Frömmigkeit? Glänzende Oberfläche und enttäuschte Versprechen? Mit Pulphead hat John Jeremiah Sullivan bewiesen, dass das möglich ist. In der Tradition von Meistern wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson verwischt er die Grenze zwischen Literatur und Journalismus, Erzählung und Reportage, Hochliteratur und Unterhaltung, Hemingway und Hollywood. Wie in einem Panoptikum entsteht aus Artikeln über Axl Rose, christliche Rockfestivals, Reality TV, die Tea-Party-Bewegung, vergessene Naturforscher und den heruntergekommenen Süden das Panorama eines Landes, das der Rest der Welt immer weniger versteht.

»Sullivan beherrscht die Kunst des suggestiven Schreibens perfekt, denn egal über welche Geschichte oder über welche Menschen er schreibt, er versteht es, einen sofort hineinzuziehen. [...] Man zieht keinen großen Erkenntnisgewinn aus den Reportagen, aber man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Sie stehen für sich, ganz singulär, sie bereiten einem großen Genuss, und das tun sie, weil sich Sullivan nie über seinen Gegenstand erhebt und von oben herab doziert und trotzdem durchaus polemisch und gemein sein kann.« (taz)

Erich Mühsam: Tagebücher, Bd. 4, Verbrecher Verlag

DAS KRIEGSJAHR 1915: Mühsams Hoffnungen auf ein schnelles Ende des Gemetzels zerschlagen sich, der Friede rückt in immer weitere Ferne. Er braucht das Tagebuch jetzt, um die Wahrheit aus den verlogenen Pressemeldungen herauszufiltern. Wer hat diesen Krieg angezettelt? Wer kann ihn beenden? Wo kann er sich und seine Überzeugungen geltend machen? In der kaisertreuen SPD bahnen sich Umbrüche an – der linke Flügel verweigert neue Kriegskredite, die Spaltung der Partei bahnt sich an. Gespannt verfolgt Mühsam die Entwicklung und sucht nach Verbündeten für eine Antikriegsbewegung unter anarchistischen Vorzeichen: bei Pazifisten, linken Sozialdemokraten, Anarchisten.
Auch in der Münchener Boheme geht der Tod um. Die Reihen lichten sich, die Stammtischkrieger werden immer nervöser. Mühsam muss befürchten, an die Front geschickt zu werden, und ist fest entschlossen, eher zu sterben als zu töten. Derweil drückt die Geldnot schlimmer als je zuvor. Zenzl, die Geliebte, bietet ihm Hilfe und Trost, aber auch sie braucht Unterstützung. Retten kann ihn nur der baldige Tod des Vaters, die große Erbschaft. Und mit dem langersehnten Telegramm tritt endlich die Wende ein: Mühsam heiratet Zenzl, gründet einen Hausstand und will Dramen und Gedichte schreiben – doch es bleibt nur Zeit für das Tagebuch, das längst zu seinem Hauptwerk geworden ist.