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Francesco Masci: Die Ordnung herrscht in Berlin, Matthes & Seitz

Back to the realGeschichte, schreibt Marx in seinem zentralen Kommentar zum Scheitern der französischen Revolutionen, ereigne sich immer zweimal: das eine Mal als Tragodie, das andere Mal als Farce. Diese Farce, die reale Abgeschnittenheit der Menschen von einer friedvollen Verfügung über ihre Welt und der Gesellschaft in der sie leben, ist laut dem italienischen Soziologen Francesco Masci Signatur der bürgerlichen Gesellschaften seit der französischen Revolution, die nur die Bourgeoisie und ihre kapitalistische Produktionsweise an die Herrschaft brachte - ohne freilich die Idee einer Emanzipation aus heteronomen Verhältnissen ausmerzen zu können. Diese Idee wurde, so Mascis historisch-genetische Argumentation, an die Sphäre der Kultur abgegeben, depotenziert und fungiert nunmehr als Kitt, indem das Glückverprechen der Aufklärung zwar aufbewahrt, aber in eine fiktive Bilderwelt...



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Kastner/Dimitrova/Holert u.a.: Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird, Edition Assemblage

Das Regime ist immer schon daDas weltweite Wissen gibt dem Begriff Regime am liebsten Gesichter: Mohammar al-Gaddafi, Baschar al-Assad, Hu Jintao. Auch historische Verwendungen sind gebräuchlich, im Fall des französischen Vichy-Regimes beispielsweise, Kollaborationspartner der deutschen Nationalsozialist*innen während des Zweiten Weltkriegs. Der Umstand, dass der Regime-Begriff aber weit über so einfache wie gegensätzliche Beschreibungsvarianten von Opfer-Täter-Verhältnissen hinausreicht, hat, laut den Autor*innen von Regime. Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird., bislang weniger Resonanz gefunden. Das habe, wird angenommen, möglicherweise mit der Unbeliebtheit von komplexen macht- und herrschaftskritischen Analysen zu tun. So vermeide beispielsweise der Wunsch, das „System“ abschaffen zu wollen, mitunter die Anerkennung der Verstricktheit und Interaktion von...



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Barbara Kirchner, Dietmar Dath: Der Implex. Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee, Suhrkamp

The shape of things to come“Alle Enttäuschungen hängen zusammen.” Mit dieser Antwort auf Botho Strauss' larmoyanter Klage darüber, dass alle Zusammenhänge enttäuscht hätten, beendete Dietmar Dath 2009 eine Lesung aus seinem utopistischen Roman Die Abschaffung der Arten. In dem zusammen mit seiner Schulfreundin Barbara Kirchner, Professorin für theoretische Chemie an der Universität Leipzig, verfassten opulenten 800 Seiten starken Werk wird diese Replik programmatisch ins Positive gewendet: Vorrausetzung für eine Enttäuschung ist nämlich eine Erwartung, eine Hoffnung oder eine Möglichkeit. Sie ist der Geschichte seit der frühen europäischen Aufklärung des 17./18. Jahrhunderts, wie sie die Autoren rekonstruieren, eingeschrieben - als Implex, als Potential der Emanzipation aus Verhältnissen, in denen der Mensch, wie Karl Marx es Mitte des 19. Jahrhunderts universalisierend...



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