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Reinhard Florian: Ich wollte nach Hause, nach Ostpreussen! Das Überleben eines deutschen Sinto, Berlin 2012

Eine Geschichte der GewaltBereits im Jahr 2012 erschien mit der Autobiographie Reinhard Florians ein wichtiger Beitrag derjenigen Menschen, die im Nationalsozialismus ein für alle Mal zum Schweigen gebracht werden sollten. Für ihre unfassbar leidvolle Geschichte voller institutioneller und personaler Gewalt und Brutalität, interessierten sich in den frühen post-nationalsozialistischen Gesellschaften der BRD und DDR nur sehr wenige Menschen.Meiner Ansicht nach fehlt dieses Interesse nach wie vor in breiten Teilen der Öffentlichkeit des wiedervereinigten Deutschlands. Dies gilt für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, die sich zumindest gewisse ideelle und materielle Aufmerksamkeit erkämpfen konnten, für die vergessenen Opfergruppen umso mehr. Reinhard Florian sieht sich selber als Deutscher Sinto und wurde Zeit seines Lebens als „Zigeuner“ diskriminiert. Seine persönliche...



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Owen Jones: Prolls: Die Dämonisierung der Arbeiterklasse, Verlag André Thiele

Klassenkampf zwischen Hass und SelbsthassDie englische Mittelschicht erfindet sich mit dem Proll das Objekt ihrer Verachtung In Berlin dekonstruierte der Stadtsoziologe und Gentrifizierungskritiker Andrej Holm kürzlich bei einer Veranstaltung den Mythos der „Sozialen Mischung“. Der Begriff geistert seit etwa fünf, sechs Jahren verstärkt als Leitbild durch die Berliner Debatten um sozialen Wohnungsbau, Stadterneuerung und Aufwertungsprozesse. Holm stellte dabei die Verbindung zu sehr frühen stadtplanerischen und stadtpolitischen Maßnahme-Katalogen her. Bereits vor über hundert Jahren habe man versucht, mit Begriffen wie „Versittlichung“ und „Durchmischung“ gegen die Elendsviertel der schnell wachsenden Städte in Europa vorzugehen. Dabei sei es allerdings weniger um die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten gegangen, sondern vielmehr um die Domestizierung der zunehmend aufmüpfigen...



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Charlotte Wiedemann: Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben. Oder: Wie Journalismus unser Weltbild prägt, PapyRossa 2012

Abseits der Herde Bescheidenheit und Respekt sind Worte, die selten im Zusammenhang mit Journalismus fallen. Die erfahrene Journalistin Charlotte Wiedemann hat sie während der vergangenen dreissig Jahren zu den Prämissen ihrer Tätigkeit erklärt und darüber hinaus versucht, ihre Idee von journalistischer Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren – zurückhaltend und nicht ohne Zweifel, aber dennoch unbeirrt. Nun hat sie ein Buch darüber geschrieben, wie es ist, im politischen Journalismus entfernt der üblichen „geistigen Marschkolonnen“ unterwegs zu sein. Vom Versuch nicht weiß zu schreiben ist weder ein Fachbuch für Journalist*innen, noch eines, dass sich den langweiligen Vorwurf machen lassen müsste, einer politischen Korrektheit das Wort zu reden – abgesehen davon, dass politische Korrektheit weiterhin in erster Linie eine konservative Erfindung bleibt, die dahinter vor allem ein...



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